Wie ein hochsensibler Junge versucht, Mädchen den Schul-Hof zu machen


Mann, bist du hochsensibel – Teil 2: Pubertät, Schulhofzeit und der Wunsch nach einer Freundin

Apropos zerbrechlich: Mit Beginn meiner Pubertät begann das große Kopfzerbrechen – wie bekomme ich eine Freundin? Während meine Mitschüler früher oder später einfach mit jemandem "gingen", fragte ich mich, wie das geht. Denn darauf zu warten, dass sich etwas ergibt, erwies sich bei mir nicht als besonders ergiebig.

 

Zugegeben, die Möglichkeiten, Mädchen kennenzulernen, waren in der Jugendredaktion einer Tageszeitung vermutlich geringer, als wenn ich einen Tanzkurs absolviert hätte – ich ließ aber nun mal lieber Buchstaben als Füße tanzen. Dies fußte bedauerlicherweise jedoch nicht zu meinem ersehnten ersten Date.

 

Schließlich kam ich in die 9. Klasse – und musste feststellen, dass es ganz offensichtlich Mitschüler gab, die nicht nur in die, sondern auch in der 9. Klasse kamen. Miteinander. Während ich noch auf meinen ersten Kuss wartete. Aber gut: Meine Zeit würde schon noch kommen. Das dachte ich jedenfalls.

 

Und in der Tat: Wie es der Zufall wollte, war ich an einem Sommertag mit zwei Freunden in einem Bekleidungsgeschäft, als einer von beiden ein hübsches Mädchen entdeckte – sich jedoch nicht traute, dieses anzusprechen. Ich dachte: "Ok, die Abfuhr kriege ja dann nicht ich", also bot ich mich an, den Liebesboten zu spielen.

 

Ich sprach sie an, fragte nach ihrer Nummer, sie schrieb mir, dass sie mich besser fand, als meinen Freund, ich holte mir seinen Segen und wir verabredeten uns. Tja, so einfach ist das, ne? Von wegen. Ich wäre schließlich nicht hochsensibel, wenn ich es damals nicht geschafft hätte, den weiteren Ablauf zu verkomplizieren.

 

Sagen wir mal: Auf der geistigen Ebene, die für mich schon im zarten Alter von 15 jahren ein nicht unerhebliches Kriterium war, fanden wir nicht zueinander. Aber gut: Ich wollte auch mal knutschen. Und sie stand auf mich. Also auf zur nächsten Parkbank. Und dann erst mal eine Runde knutschen. Nur ... wie machte man das?

 

"Einfach machen" hatte ein Freund vorher zu mir gesagt. So ziemlich der genialste Tipp, den man einem hochsensiblen Menschen geben kann. Ich war überfordert. Wie genau funktioniert Küssen? Wie lange berühren sich die Lippen, bevor sich die Zungen treffen? Und umkreisen die sich dann auch, und wenn ja, wie oft?

 

Und so entschied ich mich dann doch, "einfach zu machen". Das Ergebnis war ... ich will es mal so formulieren: Ich weiß nicht, ob unter der Parkbank Blumen gestanden haben, falls ja, hätte man sie an diesem Tag wohl nicht mehr gießen müssen. Ich dachte bei mir: Wie soll das erst mit den Blumen und den Bienen werden?

 

Mir unverständlicherweise war die junge Dame nach dem "Küssen" an einer Fortsetzung unseres Kennenlernens interessiert. Ich aber nicht. Ich würde nicht sagen, dass der Kuss dabei das Zünglein an der Waage gespielt hat. Es war das Gesamtpaket. Und so blieb ich liebestechnisch erstmal auf dem Trockenen sitzen.

 

Zwar traute ich mich in der 10. Klasse doch tatsächlich, am Hauptbahnhof ein Mädchen von der Nachbarschule anzusprechen. Jedoch entpuppte sich meine feste Überzeugung, dass wir in den Wochen zuvor mehrfach Blickkontakt hatten, als Wahrnehmungsstörung – dieser Zug war also auch abgefahren.

 

Teil 3: Eine Oberstufenzeit ohne Oberwasser und das "Liebe" Studentenleben

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