Mann, bist Du hochsensibel: Männer, Hochsensibilität und die Männlichkeit


Der hochsensible freie Werbetexter Sebastian Kraus spricht über die männliche Hochsensibilität

Liebe hochsensible Männer: Machen wir uns nichts vor. Chiller des Monats werden wir mit unserem sensiblen Wesen wahrscheinlich nicht mehr. Und wisst Ihr was? Das muss auch gar nicht sein. Wir müssen uns jedoch davon frei machen, unser Selbstwertgefühl über die Anerkennung der Masse zu definieren.

 

Und ja: Es ist hart, zu akzeptieren, dass jene Männer, die sich gegenüber der Damenwelt im Stile eines Schulhofjungen mit einer Mischung aus Cowboygehabe, Klischeeromantik und Pseudotiefgründigkeit präsentieren, für dieses Verhalten auch noch belohnt werden

– während wir hochsensiblen Herren der Schöpfung authentisch abblitzen.

 

Es ist hart, in einer abendlichen Runde in der Kneipe der einzige zu sein, der aufschreckt, wenn der Bedienung das Tablett mit den Gläsern hinfällt – und sich die anderen fragen, ob man noch alle Tassen im Schrank hat. Zumal es ja wichtiger wäre, dass die Bedienung noch alle Tassen im Schrank hat, wenn die Gläser kaputt sind.

 

Aber mal im Ernst: Wir hochsensiblen Männer werden weder vom anderen Geschlecht, noch vom eigenen als besonders männlich wahrgenommen. Warum? Weil Männlichkeit auch heute noch über Charaktereigenschaften und Verhaltensmerkmale definiert wird, für die wir nicht stehen. Und die uns nicht liegen.

 

Denn auch, wenn wir offiziell das dritte Jahrtausend schreiben, scheinen wir Menschen im zwischenmenschlichen Bereich teilweise noch in der Steinzeit zu leben. Und da hätte bestimmt keine Frau zu mir gesagt: "Oh, Sebastian, du bist so authentisch. So sensibel. So tiefgründig. Bitte zeig mit deine hochsensible Höhle."

 

Und ob mein Vorschlag, das Alphamännchengehabe einzustellen, und stattdessen lieber einen Wortspiel-Wettkampf zu veranstalten, in meiner männlichen Höhlennachbarschaft Begeisterungsstürme ausgelöst hätte, wage ich ebenfalls zu beweifeln. Dann wohl eher einen Sturm der Entrüstung. Wahrscheinlich mit Rüstungen.

 

Was ich damit sagen will: Der größte Fehler, den ein hochsensibler Mann machen kann, ist, sich mit nicht-hochsensiblen Männern zu vergleichen. Und ich muss ehrlich zugeben: Ich tue das recht häufig. Mit dem Ergebnis, dass mich insbesondere in Bezug auf Frauen permanente Selbstzweifel plagen.

 

Bin ich nicht hübsch genug? Habe ich eine komische Art? Warum bin ich nicht "gefragt"? Was ist falsch an mir? Warum hat jeder 08/15-Chiller bessere Karten bei Frauen als ich?

Und wieso gilt ein Mann, der die Stärke und den Mut hat, offen seine Gefühle zu zeigen, in unserer Gesellschaft überhaupt als unmännlich?

 

Ihr seht: Fragen über Fragen. Die Euch wahrscheinlich bekannt vorkommen. Aber hey: Haben wir das wirklich nötig? Wer uns nicht männlich findet, der hat halt Pech gehabt. Und selbst wenn nur 1 % der Frauen hochsensible Männer sexy fände, dann sind das eben die wenigen, die Geschmack haben.

 

Und ja dann schrecken wir eben auf, wenn Geschirr zerbricht. Die Männer, die sich dann in der Gruppe darüber lustig machen, sind im Grunde noch viel zerbrechlicher. Hört sich jetzt alles so einfach an. Ich weiß, das ist es ganz und gar nicht. Aber Ihr seid nicht alleine, wie euch die folgenden Zeilen zeigen werden.

 

Teil 2: Wie ein hochsensibler Junge versucht, Mädchen den Schul-Hof zu machen

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