Wie man sich als hochsensibler Mensch mit seiner Hochsensibilität anfreundet


Ich bin hochsensibel – Teil 5: Hochsensibilität, Freundschaften und soziale Kontakte

Früher zu gehen, ist auch im Privatleben ein schwieriges Thema. Ich mache gerne etwas mit anderen, habe aber oft nach zwei oder maximal drei Stunden genug. Sei es, weil mir die "Gesamtatmosphäre" des Cafés oder der Kneipe nicht zusagt, oder weil ich einfach erschöpft von der Vielzahl an Sinneseindrücken bin.

 

Und wenn ich mir überlege, wie oft ich in all den Jahren, sowohl im Nachtleben, als auch bei anderen gesellschaftlichen Anlässen, schon nach wenigen Minuten das Gefühl hatte: "Jetzt könnte ich eigentlich gerade wieder gehen", weil es zwar "ganz nett" war, aber mir mal wieder die geistige Befriedigung fehlte.

 

Und damit meine ich nicht, dass mir die Gespräche nicht "anspruchsvoll" genug waren – zumal ich es sogar schön finde, zwischendrin einfach mal sinnloses Zeug zu quatschen.

Nicht selten gab ich sogar den Alleinunterhalter der Runde. Und dennoch fühlte ich mich auf eine merkwürdige Weise nicht in das Beisammensein integriert.

 

Kann ich erwarten, dass mein Umfeld das nicht persönlich nimmt? Nein. Kann ich nicht. Ich werde wahrscheinlich immer mit Sätzen konfrontiert sein wie: "Du sitzt doch mit uns am Tisch, blende den Rest doch aus"oder "Warum willst Du denn schon gehen, hast du keinen Spaß?" Aber das nehme ich dann auch nicht persönlich.

 

Ich bin ja auch froh, überhaupt soziale Kontakte zu haben. Zu oft habe ich schon erlebt,

wie es ist, neue Leute kennenzulernen, um dann förmlich dabei zuschauen zu können,

wie die Kontakte ab einem gewissen Punkt nach und nach wieder im Sande verlaufen. Und das ist auf gut Deutsch gesagt ein sch ... Gefühl.

 

Vor allem löst es eine Flut von Fragen aus, die sich im Kern alle darum drehen, ob man etwas falsch gemacht hat. Und wenn ja, was. Und kommt man dann zu dem Ergebnis, dass man nichts falsch gemacht hat, ist das keineswegs beruhigend. Denn, wenn man nichts falsch gemacht hat, was soll man dann besser machen?

 

Letztlich führt die Zurückweisung dazu, dass ein hochsensibler Mensch sich noch mehr Gedanken macht, als ohnehin schon. Man muss nicht hochsensibel sein, um zu ahnen, dass dies für das erfolgreiche Knüpfen von neuen sozialen Kontakten nicht besonders förderlich ist. Doch was ist die Konsequenz daraus?

 

Ich kann nicht einfach damit aufhören, Gespräche gedanklich Revue passieren zu lassen. Ich kann nicht einfach so tun, als würde ich es nicht spüren, wenn etwas in der Luft liegt.

Eigentlich muss ich mir, auch wenn das paradox klingen mag, als hochsensibler Mensch ein dickes Fell zulegen. "Fellt" mir gar nicht so leicht.

 

Manchmal komme ich mir vor wie ein Außerirdischer, der hier auf der Erde gelandet ist

und die Erdlinge zwar sympathisch findet, aber einfach nicht in der gleichen "Welt" lebt.

Als ob unsere Planeten Lichtjahre voneinander entfernt wären. Da wäre es ja einfacher, ich würde nur hinterm Mond leben.

 

Meine wenigen, aber dafür guten Freunde wissen von meiner Hochsensibilität und sie bringen Verständnis dafür auf. Das ändert aber nichts daran, dass ich in einer Welt lebe, in der die meisten Menschen etwas Grundlegendes gemeinsam haben, das ich nicht mit Ihnen teile. Als sei die Menschheit eine große Familie und ich das Adoptivkind.

 

Teil 6: Meine Zukunft ist ein äußerst hochsensibles Thema

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